Critical illness Polyneuropathie
Die Symptomatik der Critical illness Polyneuropathie besteht in erster Linie aus mehr oder weniger schweren schlaffen Lähmungen der Extremitäten einschließlich der Atemmuskulatur. Die symmetrischen Paresen (Lähmungen) beginnen normalerweise an den unteren Extremitäten und beziehen in schweren Fällen die oberen Extremitäten, die Atem- und Gesichtsmuskulatur mit ein. Die Muskeln werden atrophisch. Die Betroffenen klagen über hochgradige muskuläre Schwäche und rasche Ermüdbarkeit bei Bewegungen. Diagnostisch findet man entsprechende pathologische Befunde bei der elektrophysiologischen Untersuchung der Extremitätennerven, die auf eine Denervierung der Muskulatur hinweisen, d.h. bei der Messung der motorischen Nervenleitgeschwindigkeit der peripheren Nerven zeigen sich pathologisch verkleinerte Amplituden der Muskelaktionspotentiale sowie pathologisch verlangsamte Nervenleitgeschwindigkeiten. Neben den die Muskel versorgenden motorischen Nervenfasern können meist kombiniert auch sensible Leitungsbahnen mit der Folge von Sensibilitätsstörungen betroffen sein. Im Elektromyogramm (EMG) sieht man massive Spontanaktivität in Form von Fibrillationen, positiv scharfen Wellen und komplexen repetitiven Entladungen sowie Myopathie-typische Potentiale. Verschiedene Arbeitsgruppen konnten an Hand von Biopsiebefunden nachweisen, dass es sich bei der Critical illness Polyneuropathie nicht nur um eine hauptsächlich axonale Polyneuropathie, sondern begleitend auch um eine Myopathie (Muskelerkrankung) handelt. Bei Patienten, die mehr als 1 Woche intensivpflichtig sind, erkrankten annähernd 60% zusätzlich an einer Critical illness Polyneuropathie, bei Patienten mit Sepsissyndrom fast 70% und bei Patienten mit septischem Schock oder Multiorganversagen um die 80%. Es handelt sich somit um eine häufige neurologische Zusatzerkrankung intensivmedizinisch behandelter Patienten, die unter schweren internistischen Vorerkrankungen oder neurologischen Erkrankungen leiden. Eine möglichst frühzeitige und kompetente intensive rehabilitative Therapie ist ganz entscheidend für eine erfolgreiche Entwicklung des betroffenen Patienten. Kann die Grunderkrankung unter Kontrolle gebracht werden, hat der Patient im Rahmen einer neurologischen Rehabilitationsbehandlung mit Physiotherapie, Physikalischer Therapie (vor allem Lymphdrainage), Ergotherapie und Logopädie nach längerer Behandlungszeit gute Aussichten auf eine weitgehende Wiederherstellung. Aufgrund der anfangs noch bestehenden Abhängigkeit vom Beatmungsgerät und in der ersten Zeit noch drohenden Komplikationen (Pneumonie, Thrombose, Lungenembolie) ist zunächst eine Rehabilitation auf einer gut ausgestatteten Intensivstation mit speziell in der Frührehabilitation erfahrenen Pflegekräften und Ärzten erforderlich. Dr. med.
Birgit Siebert
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